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Die Photogrammetrische Auswertung einer archäologischen Ausgrabung;
Feldeinsatz von digitaler Aufnahmetechnik und Entzerrung

Die Zeichnung und Vermessung von archäologischen Befunde bildet einen wesentlichen Bestandteil der Grabungsdokumentation. Dazu gehört die Erfassung der geometrischen Form der Objekte selbst, sowie die Beschreibung ihrer Lage gegenüber anderen Befunden in der näheren oder weiteren Umgebung.

Da bei der archäologischen Befunddokumentation z.T. sehr große Punktmengen schnell bestimmt werden sollen, ist die Photogrammetrie oder Bildmessung besonders sinnvoll. Die Photogrammetrischen Verfahren bieten die Möglichkeit die archäologischen Befunde berührungsfrei zu dokumentieren. Selbst komplizierte stark strukturierte geometrische Sachverhalte können in kürzester Zeit erfasst werden. Die Photos dienen der Speicherung von Daten, diese werden gleichzeitig im Moment der photographischen Aufnahme gewonnen. Es besteht die Möglichkeit Maßverhältnisse, wie Form, Größe und Lage aus den photographischen Abbildungen der ebenen oder räumlichen Befunde zu rekonstruieren. Das photogrammetrische Meßverfahren ist zweistufig: Aufnahme der mit Paßpunkten versehenen Befundsituation im Felde und Auswertung am digitalen Arbeitsplatz. Sie kann allerdings auch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen und ist ortsungebunden. Dies ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil für archäologische Ausgrabungen um Zeitverzögerungen durch die aufwendige Dokumentation gering zu halten.

Ebene Entzerrung

Die ebene optische oder digitale Entzerrung wird auf der Grundlage der Projektivtransformation durchgeführt. Um die 8 Unbekannten dieser Transformation die auf der Berechnung der Objektkoordinaten X und Y beruht, zu bestimmen, werden vier oder mehr ebene Passpunkte benötigt, diese dürfen nicht auf einer Geraden liegen. Die Entzerrung bedeutet eine Umbildung der digitalen oder digitalisierten Aufnahme von der Zentralprojektion eine andere, gemeinhin die Parallelprojektion. Verzerrt dargestellt werden auf diese Weise allerdings Objektbereiche die außerhalb der definierten Referenzebene liegen. Nicht ebene Objektpunkte werden durch den Höhenunterschied lageversetzt abgebildet. Die entstehende Parallelprojektion der Bildinformationen erlaubt das Abmessen der relevanten Informationen und die weitere Verarbeitung als Plan für die Präsentation.

Passpunkte

An die Passpunkte werden verschiedene Anforderungen gestellt. „Jedoch sollte die Signalisierung eines Passpunktes umliegende Bereiche auch nicht zu stark überdecken. Die direkte Definition des Mittelpunktes und somit des vermessenen Bezugspunktes wurde durch sektorförmige Zielmarken erreicht. Optisch hebt sich diese Art von Zielmarken gut vom meist dunklen Untergrund der Befunde ab. Ihre Verteilung wurde so gewählt, dass sie die Befunde in ihrer jeweiligen Ausdehnung in die verschiedenen Richtungen präsentierten. sie nicht entlang einer Objektgeraden lagen. Die Aufnahme der Photos erfolgt zu den ausgewählten Befundkomplexen jeweils direkt vor oder im Anschluß an die herkömmliche photographische und zeichnerische Dokumentation. Dadurch kann die weitere Bearbeitung (z.B. Bergung des Skelettes) danach nahezu nahtlos anschließen. Außerdem ist dadurch gewährleistet, daß der Befund direkt nach dem Putzen aufgenommen und somit die höchstmögliche Aussagekraft der Photos erzielt wurde. Die Signalisierung der Passpunkte erfolgt ebenfalls jeweils kurz vor dem Aufnahmevorgang. Es werden konvergente Aufnahmen von verschiedenen Standorten rings um den betreffenden Befund gefertigt.

Präsentation der Dokumentation

Es gibt mehrere Präsentationsmöglichkeiten. Eine komplette Digitalisierung des Entzerrungsergebnisses ist recht zeitaufwendig. Ein Bildplan mit Bemaßungsangaben liefert prinzipiell die einfachste und z.T. aussagekräftigste rationellste Darstellung, bereitet aber aufgrund der Datenmenge des Pixelbildes Schwierigkeiten bei der Druckausgabe. Daher wird die steingenaue Digitalisierung auf die archäologisch relevantesten Bereiche beschränkt, der gesamte Plan wird wiederum durch eine Bemaßung und kartographische Angaben ergänzt und im beliebigen Maßstab ausgegeben. Üblicherweise in 1: 20, Übersichten im Maßstab von beispielsweise 1:50.

Das Ergebnis kann die zeichnerische Dokumentation der archäologischen Ausgrabung ersetzen oder ergänzen.


(C) S. Köhler 2003